Stichwort Nadelöhr Theodor-Heuss-BrückeTragkraft, Verkehrsaufkommen Individualverkehr, neue Rheinquerung

1. Tragkraft

Es ist zweifelhaft, ob die Theodor-Heuss-Brücke konstruktiv von ihrer Tragkraft und Statik geeignet wäre, die Citybahn, ggfs. sogar 2-gleisig, auf ihr verkehren zu lassen.

Die Theodor-Heuss-Brücke ist schon seit den 1990-er Jahren für den Schwerlastverkehr ab 7,5 Tonnen gesperrt. Die Niederflurfahrzeuge der Frankfurter Stadtbahn sollen ein Leergewicht von bis zu 40 Tonnen haben. Die in Mainz eingesetzten Fahrzeuge der „Mainzelbahn“ mit der Bezeichnung Variobahn des Herstellers Stadler Rail sollen dagegen als Kurz-Zug mit 30 m Länge ein Leergewicht von 38 Tonnen aufweisen und vollbesetzt bis zu 57 Tonnen wiegen.

Es ist aber nicht alleine das Gewicht einer Citybahn als Kurz-Zug maßgeblich, sondern das Gewicht eines Doppelzuges von 60 m Länge. Und ungeklärt ist auch, ob die Citybahn nicht sogar 2-gleisig auf der Theodor-Heuss-Brücke verkehren soll, so dass zwei Fahrzeuge zeitgleich die Brücke passieren könnten. Damit nicht genug: natürlich ist noch der Individualverkehr und dessen Belastung für die Tragkraft einzukalkulieren. Insgesamt ist die Theodor-Heuss-Brücke damit möglicherweise für die Citybahn völlig ungeeignet.

Solche ernstlichen Zweifel sind auch in Mainz aufgekommen. So erklärte die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder Ende Juli 2017 zwar, Mainz werde an den Plänen festhalten, um mit Wiesbaden zusammen die Citybahn zu bauen. Allerdings müsse die Brücke das auch vom Gewicht her aushalten, was derzeit noch geprüft werde.

Belastbare Ergebnisse dieser Prüfungen sind bislang nicht bekannt geworden. Es verlautete aus dem Wiesbadener Verkehrsdezernat laut Wiesbadener Kurier vom 13.10.2017 lediglich, seitens der beauftragten Planungsbüros gebe es „erste Signale“, wonach die Theodor-Heuss-Brücke grundsätzlich stabil genug für die Citybahn sei, die Statik müsse aber mit Stahlstreben verstärkt werden, die nicht mit dem Denkmalschutz kollidieren sollten. So oder so ist dann aber die Tragkraft der  Theodor-Heuss-Brücke im aktuellen Zustand nicht ausreichend und sie müsste erst einmal (auf wessen Kosten?) ertüchtigt werden.

2. Verkehrsaufkommen Individualverkehr

Die Theodor-Heuss-Brücke soll nach aktuellen Zählungen ein Verkehrsaufkommen von täglich bis zu 30.000 PKW haben. Die Brücke wird aber eben nicht nur von PKW, sondern auch von Radfahrern und Fußgängern eifrig genutzt.

Allen Nutzern der Brücke ist gut geläufig, dass es dort immer wieder zu Staus kommt, weil sie nun einmal ein Nadelöhr darstellt. Die Stadt und ESWE Verkehr schweigen sich leider dazu aus, welche Auswirkungen auf die Verkehrsflüsse es haben würde, wenn sich der Individualverkehr die stark belastete Theodor-Heuss-Brücke nun auch noch mit der Citybahn, ggfs. sogar 2-gleisig, teilen müsste. Dass die Mehrzahl des PKW-Verkehrs deshalb entfallen würde, weil Autofahrer auf die Citybahn umsteigen würden, ist nur ein frommer Wunsch. Um dies verlässlich zu überprüfen, müssten erst einmal Zählungen und Umfragen durchgeführt werden, welche PKW eigentlich von wo nach wo auf der Theodor-Heuss-Brücke unterwegs sind.

3. Neue Rheinquerung

Das Nadelöhr Theodor-Heuss-Brücke ist wegen der damit einhergehenden Verkehrsbelastungen vor allem in Kastel ein tägliches Thema. Es wundert daher nicht, dass es dort sehr viele Fragen und Vorbehalte gegen die Citybahn gibt. Im Ortsbeirat von Kastel wurde unter anderem deshalb die Forderung nach einer neuen zusätzlichen Rheinquerung erhoben. Dafür könne eine weitere Brücke oder sogar ein Tunnel in Betracht kommen.

Es liegt auf der Hand, dass eine neue Rheinquerung sämtliche bisherigen Kostenschätzungen für die Citybahn über den Haufen werfen und überhaupt die Anbindung an Mainz bzw. das Projekt Citybahn und dessen Bezuschussung durch öffentliche Mittel insgesamt in Frage stellen würde.

 

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