Stichwort Nadelöhr Theodor-Heuss-BrückeTragkraft, Verkehrsaufkommen Individualverkehr, neue Rheinquerung

1. Tragkraft

Es ist zweifelhaft, ob die Theodor-Heuss-Brücke konstruktiv von ihrer Tragkraft und Statik geeignet wäre, die Citybahn, ggfs. sogar 2-gleisig, auf ihr verkehren zu lassen.

Die Theodor-Heuss-Brücke ist schon seit den 1990-er Jahren für den Schwerlastverkehr ab 7,5 Tonnen gesperrt. Die Niederflurfahrzeuge der Frankfurter Stadtbahn sollen ein Leergewicht von bis zu 40 Tonnen haben. Die in Mainz eingesetzten Fahrzeuge der „Mainzelbahn“ mit der Bezeichnung Variobahn des Herstellers Stadler Rail sollen dagegen als Kurz-Zug mit 30 m Länge ein Leergewicht von 38 Tonnen aufweisen und vollbesetzt bis zu 57 Tonnen wiegen.

Es ist aber nicht alleine das Gewicht einer Citybahn als Kurz-Zug maßgeblich, sondern das Gewicht eines Doppelzuges von 60 m Länge. Und geplant ist ja auch, dass die Citybahn sogar 2-gleisig auf der Theodor-Heuss-Brücke verkehren soll, so dass zwei Fahrzeuge zeitgleich die Brücke passieren könnten. Damit nicht genug: natürlich ist noch der Individualverkehr und dessen Belastung für die Tragkraft einzukalkulieren. Insgesamt ist die Theodor-Heuss-Brücke in ihrem derzeitigen Zustand damit möglicherweise für die Citybahn ungeeignet.

Solche ernstlichen Zweifel waren auch in Mainz aufgekommen. So erklärte die Mainzer Umweltdezernentin Katrin Eder Ende Juli 2017 zwar, Mainz werde an den Plänen festhalten, um mit Wiesbaden zusammen die Citybahn zu bauen. Allerdings müsse die Brücke das auch vom Gewicht her aushalten, was noch geprüft werde.

Seit dem 12.12.2017 ist nun bekannt geworden, dass tatsächlich statische Berechnungen vorgenommen wurden. Als Ergebnis wurde in der gemeinsamen Pressekonferenz und der gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse von Mainz und Wiesbaden mitgeteilt, dir Tragkraft der Brücke sei ausreichend. Sie müsse lediglich in einen Teilbereichen verstärkt werden. Damit steht zumindest fest, dass der aktuelle bauliche Zustand der Theodor-Heuss-Brücke eine Nutzung der Citybahn nicht erlauben würde.

2. Verkehrsaufkommen Individualverkehr

Die Theodor-Heuss-Brücke soll nach aktuellen Zählungen ein Verkehrsaufkommen von täglich bis zu 30.000 PKW haben. Die Brücke wird aber eben nicht nur von PKW, sondern auch von Radfahrern und Fußgängern eifrig genutzt.

Allen Nutzern der Brücke ist gut geläufig, dass es dort immer wieder zu Staus kommt, weil sie nun einmal ein Nadelöhr darstellt. Die Stadt und die CityBahn GmbH haben bei der gemeinsamen Sitzung der Verkehrsausschüsse von Mainz und Wiesbaden am 12.12.2017 eine Computer-Animation vorführen lassen, bei welcher verschiedene Varianten für die Haltstellen sowie eine besondere Ampelschaltung mit Vorrang für die Citybahn dargestellt wurden. Nach den Angaben des verantwortlichen Ingenieurs sei es möglich, gerade auch den Bereich des Hochkreisels verkehrstechnisch zu verbessern, so dass selbst bei einem Zuwachs des PKW-Verkehrs auf der Brücke um 3 % bis zum Jahr 2030 die Citybahn die Theodor-Heuss-Brücke zweigleisig zusammen mit dem Individualverkehr nutzen könne.

Von diesen Ausführungen waren nicht alle überzeugt. Gerade aus den Reihen der Mitglieder des Mainzer Verkehrsausschusses kamen Zweifel an den Kapazitäten der Theodor-Heuss-Brücke sowie Forderungen auf, diese genauer zu prüfen, ehe in Mainz über eine Anbindung der Wiesbadener Citybahn entschieden werden solle.

Dass die Theodor-Heuss-Brücke durch die Citybahn eines Tages sogar entlastet wird, weil Autofahrer auf die Citybahn umsteigen würden, ist nur ein frommer Wunsch. Um dies verlässlich zu überprüfen, müssten erst einmal Zählungen und Umfragen durchgeführt werden, welche PKW eigentlich von wo nach wo auf der Theodor-Heuss-Brücke unterwegs sind.

3. Neue Rheinquerung

Das Nadelöhr Theodor-Heuss-Brücke ist wegen der damit einhergehenden Verkehrsbelastungen vor allem in Kastel ein tägliches Thema. Es wundert daher nicht, dass es dort sehr viele Fragen und Vorbehalte gegen die Citybahn gibt. Im Ortsbeirat von Kastel wurde zwar unter Befürwortung des Projekts Citybahn, jedoch wegen der Überlastung der Theodor-Heuss-Brücke die Forderung nach einer neuen zusätzlichen Rheinquerung erhoben. Dafür könne eine weitere Brücke oder sogar ein Tunnel in Betracht kommen. Ähnliche Forderungen nach einer zusätzlichen Rheinquerung wurden am 12.12.2017 auch von einigen Mitgliedern des Mainzer Verkehrsausschusses erhoben.

Es liegt hingegen auf der Hand, dass eine neue Rheinquerung sämtliche bisherigen Kostenschätzungen und Zeitpläne für die Citybahn über den Haufen werfen und überhaupt die Anbindung an Mainz bzw. das Projekt Citybahn und dessen Bezuschussung durch öffentliche Mittel insgesamt in Frage stellen würde.

 

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